Illenauwiesen Achern

Geschrieben von Dr. Matthias Stippich am 12.07.2017

Unser Beitrag zum Ideenwettbewerb zur Bebauung der Illenau-Wiesen in Achern wurde mit dem 4. Rang ausgezeichnet. Wir haben uns natürlich etwas mehr versprochen, sind wir mit dem Entwurf selber doch sehr zufrieden. Die Zusammenarbeit mit Lukas Mettler und Hans-Jörg Wöhrle von WP Landschaften aus Berlin und Matthias Link von Link3D in Freiburg war hervorragend. Danke an alle Beteiligten.

 

Echomar_Achern_Illenau_1

 

1 _ HISTORISCHE INSEL ILLENAU

Der Nervenheilanstalt Illenau lag die Konzeption der „Insel“ im Grünen zugrunde. Die sehr repräsentativen eher urbanen architektonischen Motive wurden im Geist der Zeit mit geordneten Landschaftsmotiven kombiniert. Die Erschließung der Insel erfolgte über eine zentrale Achse, die als Allee ausgeführt wurde.

Diese Grundkonzeption der Insel ist auch im heutigen städtischen Gefüge, das durch mehr oder weniger gelungene Ergänzungsbauten geprägt ist, noch klar erkennbar. Die Inszenierung der Allee in der Sichtachse zur ikonografisch regional bedeutsamen Hornisgrinde verstärkt diesen Ansatz noch.

 

2 _ NEUE URBANE INSELN

Unsere Konzeption knüpft an dieses Inselmotiv an. Wir verstehen die Illenauwiesen tatsächlich als besonderen Grünraum, der in Achern einzigartig ist. Dieser wertvolle Raum wird daher als Grundlage betrachtet in den dann urbane Inseln gesetzt werden. Die Art der Bebauung wertet den Grünraum dadurch auf, dass er ihn als Standartsetting für den Ort betrachtet, in dem die urbanen Inseln die Ausnahme sind.

Die Erschließung der Inseln erfolgt analog zur städtebaulichen Historie durch Stichstrassen. Dieser Ansatz ist nicht nur konzeptionell konsequent, sondern geht auch sehr nachhaltig mit der Ressource „Illenauwiese“ um.

 

3 _ QUARTIERSIDENTITÄTEN

Das Motiv der urbanen Inseln erlaubt auch eine klare Ausbildung der einzelnen Quartiersidentitäten. Die Inseln funktionieren als Einheit und sind doch in ihren Strukturen klar voneinander abgrenzbar. Die klare Identifizierbarkeit wird die Wohn- und Lebensqualität der einzelnen Bereiche verbessern und stellt einen klaren Mehrwert im Vergleich zu den eher koventionellen Acherner Stadterweiterungen auf den Arealen Lott-, Süwag- oder Glashütte dar.

Die Reithalle als großer Identitätsanker erfährt durch die Umgestaltung zur Markthalle bzw. zum Ort für landwirtschaftlichen Direktverkauf eine Aufwertung, die mit begrenzten Mitteln leistbar ist und zusammen mit der Gastronomie einen wesentlichen Beitrag zur Quartiersqualität leistet.

 

Echomar_Achern_Illenau_2

 

4 _ ENDLICH STADTEINGANG

Ein weiteres wesentliches Merkmal des Entwurfs ist die eindeutige Ausbildung des Stadt Die in zweiter Reihe gelegene Illenau bringt ihr Identifikationspotenzial nur sehr bedingt zur Geltung. Duch die Ausgestaltung eines städtebaulichen Hochpunktes und einer großen urbanen Freifläche wird dieser Raum in seiner Wahrnehmung vom Durchgangsraum zum Aufenthaltsort. Er wird durch die Ausbildung seiner Ränder und die Fortführung der Bepflanzung der Illenauallee als Rückgrat zum erkennbaren Stadteingang. Durch diese Massnahme kommt auch der Achse Reithalle/Illenau neue Bedeutung zu und die Illenau erfährt durch die neue Konfiguration die Aufmerksamkeit, die sie verdient.

 

5 _ STRUKTURELLE ÜBERGÄNGE

Die städtebauliche Umgebung der Illenauwiesen ist äußerst heterogen. Wir sehen in dieser Heterogenität ein wesentliches Charaktermerkmal des Ortes. Die neuen Strukturen müssen zwischen den unterschiedlichen Körnungen, Typologien, Funktionen und Stadträumen vermittlen. Durch dieser Adapterfunktion integrieren sich die „Inseln“ in den Kontext und wirken selbstverständlich. Um den Platz an der Reithalle sind Bebauung, Erschließung und Stadträume urban, in Richtung Süden (Oberachern) und Westen (Wohngebiet) wird die Bebauung kleinteiliger, die Erschließung, die Typologien und die Stadträume suburbaner.

 

6 _ ACHERNER GRÜNRÄUME

Die Illenauwiesen werden einen wichtigen Baustein im Grünraumgerüst Acherns spielen. Wichtig wird dabei sein, die Rolle des neuen Grünraums in seinem Verhältnis zu den existierenden Grünräumen zu definieren um so das Angebot zu ergänzen und Konkurenzen und Dopplungen zu vermeiden. Der Stadtgarten als wichtigster Grünraum ist ein klassicher urbaner Erholungsraum und ein gezielt gestalteter und gepflegter Landschaftspark. Der Freiraum um die Illenau ist dagegen eher von repräsentativem und geometrischem Charakter.

Die Illenauwiesen werden unserem Vorschlag nach diese Räume durch eine rauhere und naturlandschaftliche Komponente mit hohem Freizeit- und Aktivitätswert ergänzen.

 

 

Echomar_Achern_Illenau_3

 

Echomar_Achern_Illenau_6

 

Echomar_Achern_Illenau_5

 

Echomar_Achern_Illenau_7

 

 

 

Posted on 12. Juli 2017 in Architektur, Stadtplanung

Share the Story

About the Author

Matthias liebt komplexe Zusammenhänge und innovative Konzepte. Seine Aufgabe ist die strategische Entwicklung von Echomar und die Vernetzung zur universitären Forschung und Lehre. Er interpretiert sowohl in der Stadtentwicklung wie auch im architektonischen Entwurf traditionelle Elemente radikal neu.
Back to Top